Gestern hatten wir beim Stammtisch eine spannende und polarisierende Diskussion zum Thema “sich Bewerben” und “Mitarbeiter suchen”.
Also mit Sicht aus beiden Positionen auf den Ablauf des Kennenlernens. Zum Designerstammtisch kommen sowohl Selbständige, als auch angestellte Designer. Jemand erzählte, von der Anzeige “Texter gesucht” und dass binnen 1-2 Stunden sich sofort etwa 30 Texter meldeten und dann später noch Weitere.
Die gleiche Erfahrung hatte ich auch schon gemacht. Damals hatte ich etwa 65 Bewerbungen und Portfolios von Textern angesehen, dafür mehr als ein Wochenende benötigt – um dann auch noch tagelang um weitere Infos zu bitten (wo die Infos unvollständig waren) und dann allen Bewerbern, die nicht in Frage kamen, qualifiziert abzusagen. Nicht gut so, denn bis heute – über ein Jahr später – erhalte ich Memos und Mails von abgesagten Textern, die strikt nachfassen und sich in Erinnerung halten wollen. Bei Designern, stellten wir fest, gehen etwa 50 Bewerbungen je Stelle ein. Also harte Konkurrenz.
Was haben die Bewerber falsch gemacht aus meiner Sicht:
- zu selbstbewusste Mails, die mich in eine Bittsteller-Position bringen wollten, durch den Hinweis ich solle mich melden wenn ich Ihr Portfolio gezeigt bekommen will. Hallo: warum schalte ich eine Annonce? Klar will ich was sehen.
- Mails mit einer gmx-Adresse und der Bitte der Kontaktaufnahme, ebenfalls ohne Portfolio und ohne Referenz-Website.
- Mails mit Logindaten für einen geschützten Portfolio-Bereich (strange) und ein paar davon funktionierten nicht.
- Viel zu lange Mails mit unwesentlichem Inhalt und Hinweisen, dass man sich ja grad in das Thema einarbeitet und eine Chance möchte, dass man Käsekuchen mag und dann noch etwas jammern.
- Mails mit angehängtem PDF-Portfolio. Der Acrobat öffnet, man wartet, man sucht. Frage: wie soll ich hier eine Ablage machen, nach getaggten Mails oder nach gespeicherten PDFs?
- Mails mit Link zu Website-Portfolios, und dort ist nicht strukturiert und ich muss zwischen allen Projekten dann nach den Webprojekten suchen. Oder schlimmer noch: die Projekte werden in einer Animation abgespielt und ich muss wartend da sitzen und schauen, weils nicht klickbar ist.
- Mails mit Link zum strukturierten Web-Portfolio (schon mal super), aber dann doch nicht der Inhalt den ich mir wünsche, sondern z.B. Broschürentexte wo ich doch ausdrücklich nach Webtexten gefragt hatte. Oder als ich Programmierung suchte: unfertige Projekte und Programmierung mit Tables – geht gar nicht.
Das ist einfach zu aufwändig sich da durchzubeissen und die schlechten Bewerbungen stehlen den guten Bewerbungen die Zeit und mir die gute Laune. Seitdem kann ich Firmen sehr gut verstehen, die anonym annoncieren und auch nicht absagen. Und bin rigoros. Schlechte Bewerbungen sind mit einem Klick gelöscht und meine Zeit gehört den guten Bewerbungen, denen die sich Mühe geben. Ich gebe mir ja auch Mühe, wenn ich bei Ausschreibungen ein Angebot abgebe – und also verdiene ich Koop-Partner, die auch so denken.
Fazit: So macht man es als Bewerber richtig:
- Eine Mail mit persönlichem Anschreiben, den Nutzen der eigenen Arbeit oder Arbeitsweise für den Angeschriebenen hervorheben, das kurz fassen, maximal 30 Zeilen und in Absätze trennen.
- Link zum Online-Portfolio mit Referenzen in die Mail packen.
- Das Online-Portfolio strukturieren und keine Animation verwenden.
- Ein Bereich “Über mich” mit sympathischem(!!!) Bild ist Pflicht, sonst ist es bereits hier verloren.
- Kontaktdaten auf der Website und in der Mail.
- Betreff der Mail, hier kein RE:, sondern das was man anbietet. z.B. “Webdesign_Portfolio von XXX”. (So findet der Suchende die Mail dann später besser).
- Das anbieten was gesucht wird.
Nützt Euch das etwas? Habt Ihr Ergänzungen für die beiden Listen hier?







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