Archiv für die Kategorie ‘Selbstmanagement für Designer’

Urheberrecht von Bildmaterial in Websites: Können wir es überhaupt noch riskieren, unsere Portfolios öffentlich zu zeigen?

Sonntag, 14. März 2010

urheberrecht

Abmahnungen durch Betreiber von Bild-Datenbanken

Als Designer ordert man häufig Bildmaterial aus Bilddatenbanken für die Websites und die Werbemittel von Kunden. Mancher verkauft das Material mit Rechnung an den Kunden, andere Designer sehen das als Service und stellen “für die paar Bugs” nicht extra eine Rechnung. Bei manchen Hobbyfotografen-Bilddatenbanken benötigte man bisher nur einen Referenzlink im Impressum und es entstanden keine Kosten. Machmal kauft auch der Kunde das Material und stellt es dem Designer zur Verfügung.

Da hat sich viel geändert – zum Schreck für uns Designer.

Ich hoffe, jeder von uns hat sich die jeweiligen Nutzungsbedingungen zum Zeitpunkt des Abholens eines Bildes ausgedruckt und abgeheftet.
Denn es wurde viel geändert und wird nun teuer wegen Verletzung des Urheberrechts.

Ich stolperte – zum Glück derzeit noch kostenlos für mich – über den Thread eines Designerkollegens, der durch Abmahnanwälte zu astronomischen Zahlungen wegen Verletzung des Urheberrechts aufgefordert wurde und sich nun mit weiteren, hohen Kosten für seinen Anwalt dagegen wehren muss.

Und zwar hatte er der Bilddatenbank über Jahre hinweg hohe Summen eingebracht, wenn er Bildmaterial für seine Kunden einkaufte oder dem Kunden empfahl das Material selbst zu kaufen. Diese Bilddatenbank verklagt ihn nun, da er in seinem Referenzportfolio seine Kundenreferenzen darstellt und das Bildmaterial innerhalb des Kundenprojektes natürlich auch da zu sehen ist. Da aber eine Lizenz für den Kunden erworben wurde, benötigt er eine zweite Lizenz um das Kundenprojekt referenzieren zu dürfen. Diese Abmahnungen laufen derzeit in flächendeckendem Stil ab und bewegen sich in Größenordungen zwischen 5000,00 und 50.000,00 Euro.

Klar, dass die Bilddatenbank nun einen wichtigen Multiplikator verloren hat (übrigens ist sie ein Riese der Branche). Der Designer sagte mir, er werde künftig nur noch direkt an befreundete Fotografen beauftragen oder von diesen Material beziehen. Ich denke solche Bilddatenbanken sind keine guten Geschäftspartner für uns Designer, da sie ihre Nutzungsbedingungen ändern und mit ihren Rechtsabteilungen in einem Rechtstreit überlegen sind.

Es ist wichtig gute Geschäftspartner unter den Bilddatenbanken zu finden. Ich habe mit istockphoto sehr gute Erfahrungen gemacht – habe per Mail die Festlegung der Nutzungsbedingungen erhalten, die sehr Designer-freundlich sind.

Bei Photocase habe ich das Ändern der Nutzungsbedingungen bereits mehrfach bemerkt, (ursprünglich war nur photocase mit Link im Impressum zu referenzieren) ich denke sie müssen eben den Forderungen mancher Fotografen nachgeben und so waren die Nutzungsbedingungen – als ich das letzte Mal dort nachgesehen habe – für die Bilder unterschiedlich geregelt.
Ich habe es dann einmal so gemacht: den Urheber des Fotos via Photocase-Profil angemailt und mir vor Verwendung seine Zustimmung schriftlich eingeholt. Lief alles super freundlich ab und ich habe ein gutes Gefühl dabei. Aber oft muss es schnell gehen, daher beziehen wir ja aus Bilddatenbanken.

Ich überlege das auch: einen Stamm an Fotografen aufzubauen, die ein Portfolio online anbieten und wo ich schnell ordern kann – und zwar entsteht dadurch andererseits ein enormer Aufwand in der Dokumentation eines Vertrages zum Einkauf von Bildmaterial (grundsätzlich und im Voraus zu vereinbaren), der in günstigen (billigen) Projekten nicht abgedeckt werden kann. Für die billigen Projekte habe ich noch keine gute Lösung für Bildmaterial gefunden, ich habe von photos.com Bildmaterial erworben, als Archiv, aber muss mir noch anderes einfallen lassen.

Sehr klasse

Über Eure Anregungen und Hilfe würde ich mich sehr freuen und die Hinweise hier veröffentlichen.

Ein weiteres Problem: Die Verwendung von (nicht lizenziertem) Bildmaterial des Kunden im Projekt. Dazu gibt es unterschiedliche Urteile, mal wird der Webdesigner belangt, mal der Kunde. Wir müssten hier unsere Angebote um diesem Passus zur Haftung verlängern. Die Kunden kennen sich mit dem Urheberrecht von Bildmaterial nicht immer aus, wir sind auch keine Juristen.

Und noch ein Problem: Ein Screenshot der Website des Kunden im meinem Portfolio, worin Bildmaterial zu sehen ist, welches er als Lizenz eingekauft hat und zur Verfügung gestellt hat – und wovon ich gar nicht weiss, dass es mit Lizenzierung verbunden war.

Können wir es  überhaupt noch riskieren, unsere Portfolios öffentlich zu zeigen?

Hat jemand einen besseren Vorschlag?

Bloggen – warum tut Ihr es?

Freitag, 03. Juli 2009

In einem anderen Blog las ich eine angeregte Diskussion über die Monetarisierung des Bloggens. Klar, es kostet Zeit sich Themen auszudenken, eventuell zu recherchieren und möglichst qualifiziert über ein Thema zu schreiben. Die Frage war auch, ob man als Dankeschön dafür auf die Werbebanner im Blog klicken sollte. Ob das ethisch gut ist, weil die Kosten für Werbung wieder auf die Waren aufgeschlagen werden und zur Preissteigerung führen.

Was ist eure Meinung?

Soziale Milieus und Design

Donnerstag, 23. April 2009

pekingKürzlich war ich in Peking – stopover auf dem Weg nach Neuseeland, für einen Tag.

Nach extrem anstrengendem Jahres-End-und-vor-Weihnachten-Stress für mein Designunternehmen war ich reif für die Insel. In Peking musste ich 16 Stunden zwischenlanden und durfte unerwartet den Flughafen verlassen, die Beamten gaben mir einfach ein Tagesvisum.

Tom, ein deutscher Geschäftsmann und Angela, seine chinesische Übersetzerin waren so freundlich mir einen Taxifahrer als Guide zu organisieren und Angela rief mehrmals an um zwischen mir und dem Guide (der nur chinesisch und kein englisch sprach – wie alle Taxifahrer dort) zu vermitteln. Endlich mal ein Tag ohne Kommunikations-Stress für mich, ohne Projektmanagement und CRM und ohne WebDesign, ohne Kompromisse und ohne Arbeit für meine www.ThielDesign.de ! Herzlichen Dank an Angela und Tom!

Der Taxifahrer war ein ausgeglichener, freundlicher Mensch und wir besichtigten gemeinsam die verbotene Stadt und die olympischen Gebäude.

Peking war überwältigend! Ich fand es wundervoll erholsam diesen Massen von  zurückhaltend gekleideten und ruhigen Menschen zu begegnen. Ob meine Eindruck allgemein richtig ist weiss ich nicht, es ist mein einziger Eindruck bisher von China und für mich erst mal richtig.

Wichtig ist die Frage: Ist ein Leben ohne meinen/ unseren Individualisierungsdruck, ohne individuelles Design und ohne Persönlichkeits-Ausstellung freier von Leistungsdruck, wären wir glücklicher ohne diese Freiheit unseren eigenen Style zu entwickeln, wären wir geborgener in eher gleichen Gruppenvorgaben? Würden wir uns weniger gezwungen fühlen dauernd an unserer Aussendarstellung zu arbeiten?

Gilt das dann auch für Corporate Design?

Hat jemand eine gute Antwort?